Was war sonst noch?
Die Aufschrift auf der Tafel hat sich geändert. Die Mensa wurde dichtgemacht und wird gerade grundgereinigt. Gute Nachricht. Es gibt stattdessen Lunchpakete, für die man sich aber registrieren muss (ob man dafür wohl ein Passfoto braucht?), wir verzichten auf das Vergnügen. Das Internet geht seit 2 Wochen nicht mehr, in 4 Tagen möchte sich jemand darum kümmern. Mal schaun.
Übers Wochenende fahren Arne und ich nach Pune, das sind nur 4 Stunden mit dem Zug von Mumbai aus. Umsteigen in Thane vom Regionalzug in den Fernzug, es ist der Tag vor dem Tag der Unabhängigkeit. Die Stimmung ist fröhlicher als sonst, die vielen Inder in den vorbeidüsenden Zügn winken uns zu und rufen.
Wer sieht den Mann zwischen den Wagen? Mir wär das mit der Oberleitung ein bisschen zu haarig - wir sehen an dem Tag sehr viele Leute auf dem Dach reiten, einige winken uns sogar noch zu. Zum Glück passiert nichts, ich würde mich doch sehr doof fühlen wenn jemand vom Bahnstrom gebraten würde weil er mir ausgelassen zuwinken wollte...
Wir haben reservierte Sitzplätze im klimatisierten Wagen im Expresszug nach Pune. Die Aussicht ist super, der Zug quält sich durch eine bergige Landschaft mit Wasserfällen viele Kilometer und einige hundert Höhenmeter nach oben.
In Pune haben wir ein tolles Hotel über das Internet gebucht und im Voraus bezahlt. Das machen wir gerne so, weil wir dann nicht beim Checkout von Fantasiegebühren überrascht werden können. Bisher hat das immer super geklappt. Aber diesmal lässt man uns in dem tollen Hotel nicht einchecken:
Den Reisepass nehmen wir natürlich nur mit, wenn es unbedingt nötig ist, also nicht auf Zugreisen. In der Buchungsbestätigung vom Hotel steht, man kann als ID Proof Ausweise, Führerscheine, Voter's ID Cards und was auch immer mitbringen - wir haben also unsere Personalausweise, und zur Sicherheit auch noch eine Kopie des Reisepasses dabei. Alles gut, was aber fehlt ist eine Kopie des Visums. Das stand nirgendwo, wird aber plötzlich verlangt. Eine Stunde diskutieren und mit dem Internetbuchungsportal telefonieren hilft nichts: man setzt uns auf die Straße und behält das Geld. Die Visakopien seien von der Regierung gefordert, da könne man nichts machen. Und zum Stornieren der Buchung sei es zu spät.
Im nächstbesten Hotel können wir einchecken und niemand fragt nach einer Visumskopie. Von wegen von der Regierung gefordert. Mal schaun ob es was bringt, sich beim Hotel per Mail zu beschweren. Das Geld ist aber wohl weg.
Ansonsten war Pune aber ziemlich schön. Nicht sehr touristisch und recht freundlich. Kinder winken und rufen "Hello Foreigner!" mit einem Strahlen im Gesicht. Ausländer ist hier ein positiver Begriff.
Der nette Mann brät Dosa - sieht ein bisschen aus wie Crepes.
Wird wie so vieles in Indien auf einem Bananenblatt serviert - zusammen mit einer Kokossauce. Sehr lecker das Ganze. An dem Stand unterhalten wir uns nett mit einem Herrn, der für irgendeine indische Firma arbeitet und mit an der IT von O2 Germany gearbeitet hat. Irgendwie arbeitet fast jeder Inder den wir unterwegs oder im Zug treffen für irgendein IT-Unternehmen, welches nach Europa liefert.
Son paar Sehenswürdigkeiten gibts in Pune auch noch.
Wir setzen uns in den Park, der Eintritt ist frei und es ist ruhig. Ein paar junge indische Paare sitzen in dem Park auf den Bänken und turteln vor sich hin...
Wir haben leider keine Ruhe, unsere Kekse zu Essen, denn ein Schwarm Inder ist immer um uns, alle wollen mit uns reden oder Fotos von uns machen. Irgendwie passiert sowas in Parks immer wieder. Wir setzen uns also in Bewegung und ziehen unsere Kreise quer durch den Park, einen Tross von 20 Indern ständig im Schlepptau, der sich wie ein Schwarm Fliegen um uns herum zu einer Wolke verdichtet, sobald wir zu langsam werden. Nach ein paar Fotos verlassen wir den Garten fluchtartig.
Beim Streifzug durch die Stadt lädt uns ein Professor für Wirtschaft an der örtlichen Universität zu einem Tee ein. Nett. Und wir machen unterwegs Fotos mit vielen stolzen Ladenbesitzern. Von der Maschinenbauwerkstatt mit großen Zahnrädern bis über den Elektriker, der von Hand einen Transformator wickelt bis hin zum Gitarrenbauer, der von Hand ein paar Holzteile zurechtschleift ist alles dabei. Indien lebt und werkelt so vor sich hin.
Son Tempeldingsda mitten in der Straße. Die Häuser mit den Holzbalkonen sind irgendwie lokaltypisch architektonisch besonders und so weiter.
Am Sonntag nehmen wir und großzügig Zeit am Bahnhof, um nicht den Zug zu verpassen. Zum Glück gibt es 500m entfernt ein Restaurant, dem wir vertrauen.
Die Rückfahrt reibungslos. Der Superfast Express Zug hält unterwegs auf Zuwinken an, um Arbeiter und Bauern mitzunehmen. Sonst fast alles wie bei uns.
Die Woche seit dem Wochenende relativ normal. In meinem Environmental Impact Assessment Kurs habe ich unter anderem mitbekommen, dass der Müll vom IIT noch auf dem Campus von Hand sortiert und der Biomüll auf einem großen Haufen hinter Hostel 4 aufgeschüttet wird. Deshalb soll es da je nach Windverhältnissen übel stinken. Prost Mahlzeit.
Davon ab bilden wir Gruppen, um dann irgendein Projekt in Mumbai auf seine Umweltverträglichkeit zu untersuchen. Womöglich erfordert das sogar Fahrten zum Bauort - ich versuche, ein Projekt innerhalb des Campus zu bekommen. Jan ist faul.
Die anderen Kurse sind kaum der Rede wert. Halb nervig, halb interessant, zu viele Hausaufgaben.
Und heute Abend haben wir uns mit ganz vielen anderen Deutschen von anderen Universitäten getroffen. Irgendwer hat ausgerechnet die Bar des Intercontinental Hotels als Treffpunkt ausgewählt - Cocktails allesamt > 10€, Bier > 5€. Ich nehme nur ein Getränk. Und woran merkt man endgültig, dass der Laden zu schick für mich ist?












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