Samstag, 1. Mai 2010

Ankunft, die ersten Tage

Da bin ich nun, ganz weit weg im fernen Indien und nehme mir zum ersten Mail Zeit, hier zu schreiben bevor ich alles vergesse. Der Reihe nach:

Reise (28.04.2010)
Der Flug war ganz sehr angenehm. Der Flug war ausgebucht, aber über 100 Leute sind wohl nicht gekommen, also hatten wir massig Platz und ich konnte sogar richtig schlafen. Sonst war nichts, Start in Frankfurt am 28.04.2010 um 13:irgendwas und Landung in Mumbai am 29.04. 0:50 nach Plan. Auf Gepäck warten, Passkontrolle und Gedöns dauert wie überall.

Der Flughafen von Mumbai war die erste Überraschung. Ziemlich klein, eher ranzig, kein Aufenthaltsbereich... Arne zieht Vergleiche mit irgendeinem Provinzflughafen in Großbritannien, auf dem er mal war. Zum Glück mussten wir nicht auf einen Anschlussflug o.ä. warten. Ein Fahrer vom IIT Bombay wartete vor dem Eingang. Der erste Atemzug von unklimatisierter Luft war ein Schlag ins Gesicht, wie erwartet. Das Auto vom IIT war dann wieder kühl...
Der Fahrer ist sehr nett, spricht aber kaum Englisch. Er erzählt uns immerhin, dass er mit seiner Familie ebenfalls auf dem Campus wohnt. Wir sind froh über die Abholung mitten in der Nacht...
Die Fahrt vom Flughafen zum Campus dauert geschätzte 5-10 Minuten, nicht wild. Nachts um 2 ist kaum Verkehr, vor allem ein paar Taxis und Straßenhunde sind unterwegs. Viel Wellblech, viele Baustellen, viele abgewrackte Läden am Straßenrand, Container die zu Shops umgebaut wurden etc... erinnert mich ein bisschen an den Markt von Mdantsane. Zum Glück scheint das vor allem die fiese Gegend um den Flughafen zu sein, mehr davon habe ich hier bisher nicht zu Gesicht bekommen.

Der Fahrer fährt mit uns auf den Campus und bis zum Wohnheim. Wir sind in Wohnheim 12, welches am weitesten vom Campuseingang entfernt ist. Auf der Fahrt sehen wir einige Studenten, die noch auf den Beinen sind, Nachtleben ist also existent. Leider sind auch Straßenhunde auf dem Campus unterwegs; die sind zwar bisher nur faul und friedlich, aber meine Nachts-Joggingpläne begrabe ich vorerst trotzdem, ich weiß nicht wie die reagieren würden. Überhaupt ist das Wetter ziemlich warm für Sport...


Auf dem Foto einer von den Bankautomaten mit Straßenhunden im Eingang. Nett.

Am Hosteleingang sitzt Sicherheitspersonal. Wir bekommen Schlüssel und haben um 10 Uhr morgens einen Termin beim Hausmeister. Aber erstmal aufs Zimmer...


...welches natürlich noch sehr spartanisch eingerichtet ist. Bett mit Matratze und Kissen (keine Decke, aber wer braucht die hier schon, Schrank, Schreibtisch, zwei Eimer (Was man damit macht weiß ich noch nicht so genau...), und das Wichtigste, ein Ventilator. Steckdosen sind auch da, meine deutschen Stecker passen alle, und irgendeinen Netzwerkanschluss gibt es auch. 2:30 Uhr, Schlafen! (Das Bild ist später entstanden, hier habe ich bereits zwei Mal eingekauft. Der Vorhang ist kein Vorhang, sondern mein altes Bettlaken. Die Kamera hat sonst Probleme)

29.04.2010
Am nächsten Morgen erstmal Frühstück. Wir haben natürlich keine Mensakarte, ein netter Student erkennt unser Problem und lädt uns auf seine Karte mit ein. Unser Held; hoffentlich finden wir ihn nochmal wieder. Danach Einzug beim Hausmeister. Unsere ToDo-Liste ist endlos. Wir brauchen einen Studentenausweis, einen Mensaausweis, müssen verschiedene Geldbeträge an verschiedenen Orten abgeben (Studiengebühren, Mensa-Vorauszahlung für das Semester, Kaution für das Zimmer etc) und brauchen für fast alles Passfotos. Auf dem Campus können wir fast alles kaufen: Netzwerkkabel, Papierkram, Kopien, sogar Computer könnte man direkt im Wohnheim kaufen, weil hier (und irgendwie in fast jedem Wohnheim) ein kleiner Laden drin ist. Was man natürlich nicht bekommt sind Passfotos, die gibt es nur außerhalb. Um aber durch das Tor rein und raus zu kommen braucht man einen Studentenausweis. Und für den braucht man: Genau, ein Passfoto.
Zum Glück nimmt die Security am Gate das Ganze nicht so ernst, als Europäer kommen wir auch ohne Ausweis immer wieder rein und raus...
Anscheinend funktionieren auch Arnes Geldkarten in den Bankfilialen auf dem Campus nicht und wir müssen zum Abheben immer raus. (Edit: inzwischen tuts doch...)

Der Hausmeister ruft außerdem Ankit und Shrikanth an, zwei Studenten, die bei dem Institut, bei dem wir unsere Projektarbeit machen, gerade an ihren Masterarbeiten schreiben. Die Beiden gehen mit uns zum International Office, wo eine wirklich nette Dame uns viele Dinge zur Uni und den anstehenden Formalitäten erzählt. Jetlag: Infos der netten Frau >> /dev/null. Ich hoffe nur es war nichts allzu fies Wichtiges dabei...

Internet geht auch, mit unserem frisch gekauften Netzwerkkabel und den Zugangsdaten von Ankit. Unsere Eigenen bekommen wir irgendwann... Leider geht alles durch eine fiese Firewall die nur HTTP und HTTPS zulässt. Kein Mailprogramm, kein ICQ, kein Skype, kein FTP, kein Spaß. Wenn ich nicht mehr mit Ankits Account unterwegs bin versuche ich irgendwie mich durch das Ding durch einzumopsen.

Ankit und Shrikanth sind dann mit uns in einer großen Runde über den Campus, zum See, haben uns viele schöne Orte gezeigt und uns Prof. Moudgalya, unserm Projektbetreuer, vorgestellt. Der scheint schwer in Ordnung zu sein, war schon mehrmals in Deutschland, scheint ungefähr zu wissen wie wir ticken, und weiß auch dass Deadlines an unserer Uni sehr ernst zu nehmen sind. Das Projekt wird wohl pünktlich fertig werden...

Hier der See:


Gegen 10 Uhr schlafen gegangen. Bis dann plötzlich Maximilian vor der Tür steht, ein deutscher Austauschstudent aus Bremen, der in 4 Tagen abreist und mit uns (und noch mehr Leuten aus überall von der Welt) zu KFC gehen will. Eigentlich wollten wir ja kein Fast Food essen - aber egal. Rikshah zum Einkaufszentrum, andseife, ein Becher, ein Wascheimer, ein weiteres Handtuch, frisches Bettzeug gekauft, bei KFC gegessen (Klimaanlage :-) ) und wieder zurückgefahren. Der erste kurze Trip außerhalb des Campus. Tatsächlich ist draußen wahnsinnig viel los, der Verkehr sehr chaotisch, viel Gehupe, viel Gestank - und auf dem Campus ist nichts davon zu spüren.

30.04.2010
Hier wache ich auf, wenn die Vögel zu laut zwitschern. Sehr nett, das. Morgens stört nichtmal mehr die Hitze, mittags wird das Hemd aber nach wie vor patschnass. Beruhigend, dass die Inder sich auch über die Hitze beklagen. Es ist wohl selbst für Mumbai relativ warm zur Zeit...
Erster Kontakt mit der Dusche auf der Etage. Es gibt nur "kaltes" Wasser, was aber angenehm kühl/lauwarm aus der Leitung kommt. Zum Duschen bei der Temperatur genial. Es gibt sogar eine European-Style Toilette zum hinsetzen, Klopapier natürlich nicht, und Seife auch nicht. Statt Papier hängt ein Gartenschlauchähnliches Teil von der Wand, Seife haben wir eingekauft. Alles gut.
Formalitäten füllen den halben Tag aus, Ankit ist zeitweise dabei, Shrikanth muss leider arbeiten. Ein bisschen schlafen, und nochmal einkaufen. Arne braucht eine Brille, wir beide brauchen Sandalen. Schuhe gehen bei dem Wetter gar nicht!
Außerdem finden wir Klopapier (10er Pack normale Rollen, normaler deutscher Preis) und nehmen es vorsichtshalber mit. Mittags: schlafen.
Unsere Mensakarten sind am Abend fertig, wir essen zum Tiffin (sowas Teezeit-ähnliches) und zum Dinner in der Mensa. Die ist im Voraus bezahlt, jeder Tag kostet 40 Rupien (bei 4 Mahlzeiten am Tag also 10 Rupien pro Essen), 60 Rupien sind ungefähr ein Euro. Man darf sich auf riesige Metallteller (eigentlich eher Metalltabletts) so viel schaufeln wie man mag. Dazu gibts Bananen (natürlich besser als zu Hause) und Tee/Wasser. Läuft.
Beim Dinner ist auch unser Nachbar dabei, er kommt aus Äthiopien und will nach dem Essen mit mir X-Box spielen. Ich vertröste ihn, bin hundemüde. Dann schreibt Ankit, will mit uns Eis essen gehen. Also doch nochmal raus. Eis von Amul, Sorte Fruit Bonanza. Schmeckt wie Fruchtkaugummi, aber lecker. Gibts natürlich auch auf dem Campus.
Abends dann noch mit Ali verquatscht, ebenfalls Nachbar, kommt aus dem Iran. Gibts auf unserer Etage auch Inder??

01.05.2010
Zugfahrt nach Downtown. Ankit hat was zu erledigen und nimmt uns mit, das ist am Anfang gut. Indische Züge zur Rush-Hour sind, nunja, gewöhnungsbedürftig. Aber mit Dreistigkeit, aggressivem Drängeln und viel Kraft passt man noch in den Zug (der natürlich keine Türen zum Schließen hat). Und kein Glas in den Fenstern. Überhaupt spart man sich hier vieles, was es bei uns vor allem wegen der Kälte gibt. Der RE1 wäre ohne Fensterglas bestimmt im Sommer auch weniger miefig...

Taxi zum Gateway of India (muss man wohl gesehen haben sagt man, old buildings and stuff) und laufen durch die Stadt. Das Handy mit GPS war eine gute Investition. Ankit ist bei irgendeinem Treffen, wir laufen umher, sehen einen netten Park, werden von vielen Leuten angesprochen und ein paar Kinder wollen Fotos mit uns machen. Den Rest der Zeit warten wir auf Ankit bei McDonalds. Schändlich und peinlich ganz sicher, aber dafür klimatisiert.
Schließlich Zug zurück, und da sitze ich nun.
Zum Schluss noch zwei Bilder. Mumbai ist in diesem Touristenviertel unerwartet Grün (dafür dass ich so Schlimmes befürchtet hatte). Hier der Park und irgendeine Straße. Dafür dass es hier seit Monaten trocken ist und die grüne Regenzeit noch ansteht: Geht eigentlich. Leider bisher alles mit meiner Handykamera, die macht fiese Belichtung und miese Farben. Aber fürs erste passts wohl.



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