Freitag, 17. September 2010

So'n Fort auf ner Insel

Sorry für den Post hier drüber, aber das konnte ich einfach nicht lassen.

Was war da los? Wir hatten einen freien Tag. Unsere schriftlichen Klausuren für das Mittsemester sind geschrieben, und der Rest der Woche ist für eine riesig große Hausaufgabe in Air Pollution Control vorgesehen, für die die restliche Zeit vor Darjeeling nicht wirklich reicht. Und was passiert, wenn man von "zu wenig Zeit" noch einen weiteren Tag abzieht? Genau, man hat "zu wenig Zeit". Auch egal. Also los an den Strand.

Wir können auch noch ein paar andere nette Leute zum Mitkommen überreden. Ankit kommt mit und stellt sein Handy aus, damit Professor Kannan ihn nicht anrufen kann. Mehadi kommt mit und fängt einen Tag später an, für seine Klausur am Samstag zu lernen. Ali kommt auch direkt mit, und ein anderer Inder, den Arne irgendwo kennen gelernt hat, ist ebenfalls dabei.

Der Inder, den Arne noch angeschleppt hat, und dessen Name ich leider wieder vergessen habe, wohnt seit seiner Geburt auf dem Campus und ist auch hier zur Schule gegangen, sein Vater arbeitet hier und hat eine Wohnung in den Mitarbeiterquartieren. Studiert hat der Gute aber an der University of Mumbai und hat gerade seinen Bachelor abgeschlossen.
Sein Vater kennt jemanden, der jemanden kennt, der Kontakt zu einem Taxiunternehmen hat, und so bestellen wir für den nächsten Tag ein Auto für alle: ein Toyota Innova für den ganzen Tag, inklusive Fahrer, für 4000 Rupien (66€). Das ist eigentlich viel zu viel, aber der Papa von dem Inder ohne Namen hat uns den Deal vermittelt und es wäre an dem Tag irgendein Feiertag und überhaupt, also vertrauen wir darauf, dass das Geschäft halbwegs fair abläuft. Ein Taxi für den nächsten Morgen zu bestellen dauert auf diese Weise übrigens fast 2 Stunden, denn erst muss man den Papa treffen, der dann im Nachbarhaus nach einer Telefonnummer fragt, irgendwen anruft, woraufhin irgendwann dann jemand zurückruft, der aber gerade keine Zeit hat und in 10 Minuten nochmal anrufen möchte, woraus dann 20 Minuten werden, und so geht das dann weiter bis irgendwann das Auto für den nächsten Morgen auf 7 Uhr bestellt ist. Uff.

Der Inder ohne Name behauptet, das Auto hätte Platz für 8 Leute plus Fahrer. Mehadi protestiert, er kennt das Auto, und sagt da passen nur 6 Leute plus Fahrer rein. Der Inder argumentiert sehr klug ("You have no Idea, it is big enough for 8 people"), zum Glück springen bis zur Abfahrt noch ein paar potentielle Teilnehmer ab, denn das Auto hat natürlich nur 6 Sitze, und mit Fahrer passt unsere Gruppe genau rein.

Einem weiteren Inder, der eigentlich dabei sein wollte, passiert etwas Bemerkenswertes: Sein Vater erlaubt ihm nicht, mitzukommen. Begründung: Er war am Tag davor schon von morgens bis abends außerhalb des Campus unterwegs und soll nicht schon wieder das Haus für so lange Zeit verlassen. Alter: 23. Bachelor abgeschlossen. Noch Fragen?

Am Morgen steht das Auto pünktlich vor der Tür. Damit kann die Fahrt aber leider noch nicht beginnen. Die Konditionen für das Taxi haben sich auf einmal geändert. Plötzlich kostet es 4000 Rupien für die ersten 250km, danach für jeden weiteren km 12 Rupien. Unsere Gesamtstrecke hin und zurück ist aber 300km lang. Das war so nicht abgemacht. Der Fahrer meint, das wäre so üblich, das würde man eigentlich wissen. Man vielleicht, aber Ausländer vielleicht nicht, und unsere indischen Freunde kennen diese Grundregel auch nicht. Also Stress mit dem Besitzer des Fahrzeugs geschoben (der Fahrer kann nichts dafür) und hin und her telefoniert. Der Mann am Telefon bleibt stur, wir fahren einfach so los und planen, das Auto nach 250km zu verlassen und den Rest vom Rückweg mit der Bahn zu machen. Immer dieses Rumgeschiebe...

Die restliche Fahrt wird eigentlich recht fröhlich. Es kübelt wie aus Eimern und das Auto versinkt fast im Wasser, aber wir sind trotzdem frohen Mutes: Wir fahren an den Strand!
Ali kauft unterwegs für alle frittierte Kartoffeldinger, die haben irgendeinen Namen den ich auch vergessen habe. Schmeckt ein bisschen wie Kartoffelpuffer mit mehr Gewürzen.

Und kurz vor unserer Ankunft reißt wie auf Bestellung der Himmel auf und das Wetter wird gut. Blick nach vorne...
Autofahrer in Indien stellen sich gerne Kitsch auf das Armaturenbrett. Heute haben wir eine Blume, die bei Sonnenlicht solarbetrieben mit der Blüte winkt. Die Blätter wiederum wackeln aufgrund der Fahrzeugbewegung. Ich sehe großartige Möglichkeiten, als Ingenieur Erfüllung in meiner Arbeit zu finden.

Unsere Gruppe bei einem Päuschen am Wegesrand. Die Küstenstraße ist ganz hübsch.

Ein paar Eindrücke vom Strand. Kuhl hier.

Ali findets auch schön.

Ein paar Inder in farbenfroher Montur im Wasser.

Ankit kann nicht schwimmen und geht trotzdem gerne ins Meer.

Arne und ich stauen einen Bach auf. Ist bestimmt sauber, wir sind in Indien.

Der nette Herr mit der Machete köpft Kokosnüsse mit zwei gekonnten Hieben...

...und die netten Leute hier schlürfen sie dann leer.

Zu Mittag essen wir dann hier... Das Essen war unlecker, nicht sauber und ich habe wieder mal eine verrenkte Verdauung, aber das ist auch egal.
Eigentlich waren wir ja hier, um irgendsoein Fort zu besichtigen, was irgendein Herrscher vor der Küste auf einer Insel aufgebaut hat. Aber die Schiffe fahren gerade nicht, denn es ist Nebensaison. Deshalb ist der Strand auch so leer und wir müssen den ganzen Tag einfach nur so rumliegen. So ein Ärger aber auch...

Wir bleiben bis zum Sonnenuntergang,

machen viel zu viele Fotos davon,

und lassen uns dann wieder zurückfahren. Und es gibt sie doch: Orte in Indien, die einfach Spaß machen.

Die Rückfahrt ist natürlich wieder stressig. Nachts lassen hier anscheinend alle die Sau raus, wir haben im Minutentakt Fast-Unfälle mit überholenden LKW auf unserer Spur. Auch unser Fahrer fährt wie eine besengte Sau und macht immer wieder gefährliche Aktionen. Ich ranze ihn sehr unfreundlich an ("Stop driving like a mad dumbass" war dabei, und ich habe auch seine Fahrausbildung in Frage gestellt...), danach traut er sich kaum noch, in einen anderen Gang zu schalten und zuckelt hinter einem Bus her. Jetzt haben wir wenigstens einen schweren Rammbock vor uns. Nach 260km erreichen wir eine Metrostation und wollen uns hier absetzen lassen. Unser Fahrer will nicht zwischen den Fronten stehen und bittet uns, das direkt mit seinem Chef abzuklären. Am Telefon wird es dann natürlich sehr unfreundlich, denn der gute Mann hatte wohl fest mit den Mehreinnahmen aus den Extrakilometern gerechnet. Er droht mir der Polizei. Soll heißen, wir verhandeln gut. Und zahlen am Ende genau 4120 Rupien. Der Fahrer bestätigt seinem Chef, dass wir sein Auto verlassen haben. Und nimmt uns am Ende doch noch heimlich mit, denn die Garage von dem Auto befindet sich in der Nähe vom IIT.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen