Samstag, 25. September 2010

Rohan

Am Samstag vor einer Woche haben wir Rohan, einen Freund aus dem Air Pollution Kurs, zu Hause bei seiner Familie besucht. Er wohnt in Badlapur, einem Ort ganz in der Nähe von Mumbai. Der Nahverkehrszug bringt uns direkt von hier aus dorthin. Rohan pendelt jeden Tag von zu Hause aus zur Uni, und das mit gutem Grund. In seinem Ort ist es viel sauberer und leiser als im hektischen Mumbai, und seine Mama kocht wirklich fantastisch.

Die Gasse, in der Rohans Familie wohnt. Alle Onkel, Tanten, Opas und Omas wohnen in der gleichen Straße, und das seit vielen Generationen. Jeder kennt hier jeden, die Kinder spielen in der Gasse und auch die älteren Leute auf der Bank freuen sich, dass wir da sind.

Kleiner Streifzug durch den Ort. Dorfidylle.

Rohan zeigt uns das alte Haus, welches auch der Familie gehört, aber nicht mehr bewohnt wird.

Nur für Feierlichkeiten wird es noch benutzt. Man sieht noch Reste.

Hinterhof...

...und Garten. Es gibt Bananenstauden, einen Mangobaum und viele Früchte, von denen ich noch nie gehört habe. Rohan nimmt sich immer vor, mehr im Garten zu helfen - das kenne ich irgendwoher. Einiges ist doch überall auf der Welt gleich, auch wenn in unserem Weinheimer Garten keine Bananen, sondern Birnen wachsen.

Dieses Instrument steht im Wohnzimmer herum. Der Klangkörper besteht aus einem getrockneten Kürbis. Was man nicht alles lernt...

Sieht eigentlich ganz hübsch aus, das Haus.


Verdauungsspaziergang nach dem Essen. Es gab Thali. Das immerhin ist sehr konstant bei all unseren Besuchen bei Freunden hier: Das Essen besteht, wenn die Familie nicht durchdreht und uns etwas über-Exklusives bieten möchte, aus einer Portion Reis, einem Chapati-Brot, gelber Linsensuppe und Gemüse der Saison. Das scheint so zu sein, egal ob man in Nepal, Delhi, Mumbai oder Surat ist. Indisches Alltagsessen eben. Mit der richtigen Würze ist das sogar richtig lecker.

Zum Schluss drehen wir noch eine kleine Runde durch Badlapur. Wir sehen das Büro von Rohans Vater und den Dorfplatz, auf dem sich die Jugend trifft. Rohan trifft unterwegs auf einige Bekannte, wie das halt so ist. Ein Eis essen wir auch noch, Rohan kennt auch in Badlapur eine Eisdiele, die Eis mit natürlichen Aromen anbietet. So etwas muss man leider auch in Indien mit der Lupe suchen, obwohl es hier doch eigentlich genug Obst gibt...
Ich wähle als Eissorte irgendeine lustige Frucht, die ich nicht kenne. Ich glaube, es war Noni.

Zurück zum Bahnhof, wie immer auf der Fahrbahn zwischen dem vielen Gehupe der Autos und Rikschas. Eine Fußgängerbrücke über der Straße ist im Bau, wird aber nicht fertig. Rohan erzählt, dass daran die Bahn schuld ist: Der Fußgängerweg müsste in einer Brücke über die Bahn geführt werden. Über- und Unterführungen der Bahnstrecke darf aber nur die Bahn selbst bauen. Das ist durchaus vernünftig. Leider lassen die sich viel Zeit. Das erklärt auch, warum in Mumbai so wenige Straßen über die Bahn führen.

Eine ähnliche Blockade betrifft zur Zeit außerdem das IIT: Die Studentenzahlen wachsen von Jahr zu Jahr, viele Zimmer sind inzwischen doppelt belegt, obwohl sie dazu viel zu klein sind. Neue Hostels können aber zum Teil deshalb nicht gebaut werden, weil auf den Bauplätzen noch Bäume stehen und die Fällerlaubnis nicht erteilt wird. Ein normales Unternehmen würde jetzt wohl Schmiergeld zahlen, aber das IIT natürlich nicht. Also passiert einfach nichts. Als Gaststudent sind Arne und ich fein raus, wir haben trotzdem immer unser Einzelzimmer.

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