Sonntag, 5. September 2010

Schon wieder...

...Sonntag. Das ging rasend schnell.
In der Nacht von letztem Sonntag auf Montag sind Klaus und Isolde in Indien angekommen, wir haben die Beiden vom Flughafen abgeholt. Der Monsun hat sich noch ein letztes Mal aufgebäumt und uns einen Platzregen beschert, der sich gewaschen hat (und uns auch). Flieger von weit weg kommen allesamt mitten in der Nacht an, also wollten wir um 3 Uhr nachts in Richtung Airport losfahren. Leider hatten gerade alle Rikschafahrer keine Lust und die Straße war ein Sturzbach, auf dem fast keine Fahrzeuge unterwegs waren. Mit uns auf der Suche war noch ein anderer Inder mitsamt seiner Freundin, die beide auf der Suche nach einem Taxi zum Domestic Terminal waren, denn eigentlich wollten sie einen Flug nach Bangalore erwischen... Die erste Rikscha die uns doch noch begegnet ist haben wir deshalb den beiden gelassen. Nachdem wir dann endlich auch fündig geworden sind und einen Rikschafahrer geweckt haben, der gerade in seinem Fahrzeug am Schlafen war, ging es dann auch für uns los. Fast zumindest, denn der Motor wollte nicht anspringen. Ungelogene 10 Minuten braucht der arme Mensch, um verschlafen und dösig den Motor zum Laufen zu bringen - alles nass. Und nach 500m übersieht er dann, dass die Autobahn knietief unter Wasser steht - und der Motor säuft wieder ab. Wie er dann anfing, im Motor rumzupfuschen und auf einmal eine Zündkerze in der Hand hält, suchen wir nach einer neuen Mitfahrgelegenheit. Der Rikschafahrer bekommt ein bisschen Geld und darf wieder schlafen. Und ein netter Inder nimmt uns netterweise fast bis zum Flughafen noch in seinem Taxi mit - den Rest laufen wir. Nass sind wir sowieso, die Straße schwimmt knöcheltief mit Wasser und die Luft ist voller Regen. Da hilft auch kein Schirm.
Klaus und Isolde landen trotzdem nur eine Stunde zu spät. Das übliche Geschiebe, die Taxifahrer wollen alle Geld von uns, nur damit sie uns den Weg zum Taxistand zeigen, aber Geld bekommt natürlich nur der Fahrer, der uns auch fährt. Auch das Taxi nach Hause säuft unterwegs noch ab, geht aber nach 5 Minuten Warten wieder, der Motor ist wohl noch warm und trocknet schnell. Klaus und Isolde im Gästehaus abgekippt, und für den Test lernen gegangen.

Ansonsten am Montag mit den Beiden noch auf dem Campus rumgelaufen.
Der Test am Dienstag lief relativ gut, dafür dass ich in meiner Vorbereitungszeit doch sehr unproduktiv war. Immerhin weiß ich jetzt ungefähr wie sowas hier aussieht. Ähnlich wie bei uns ein großer Fokus auf Rechenaufgaben, tiefsinnige Verständnisfragen kommen anscheinend nicht dran. Das spart Zeit beim Lernen.

Die weiteren Wochentage sind relativ ereignislos, unser Besuch fährt in der Gegend herum und wir lernen und streunern in der Gegend herum. Am Freitagabend zusammen nach Kolhapur gefahren, das letzte freie Wochenende bevor Arne und ich für die Mittsemesterklausuren lernen müssen. Die Beiden fahren mit dem Zug ab Mumbai CST, wir steigen erst in Thane zu, das liegt näher an unserem Campus. Auf dem Weg dorthin haben wir viel Spaß mit der Bahn, schon im dritten Zug schaffen wir es, einzusteigen, nachdem Arne im Gewimmel sein Handy geklaut wurde.

Eine Premiere: Ein Video in meinem Blog.
Beim Bahnfahren sind die Inder doch nicht mehr so friedlich wie sonst. Es wollen alle sofort einsteigen, das ist doof für die, die vorher noch aus dem Zug rauswollen. Dabei wäre doch mehr Platz im Zug, wenn auch jemand herauskäme...

Die restliche Fahrt war friedlich. Ich kann im Nachtzug gut schlafen; es ist schön kühl und die Decke ist frisch gewaschen, das Kissen riecht nicht komisch und es schaukelt sanft. Was will man mehr? Morgens um 8 angekommen und im Hotel schonmal die Sachen abgekippt.
Kolhapur ist eine relativ hübsche, normale indische Kleinstadt.

So ein Maharaja hat sich einen hübschen Palast mit einem geschmacklosen Museum darin aufgebaut - man darf drinnen leider nicht fotografieren. Den Aschenbecher im Elefantenfuß, den Gehstpck aus der Wirbelsäule eines Tigers oder den Lampenständer aus dem Fuß eines Vogels hätte ich gerne hier reingestellt. Sowas aber auch...

Der Beweis: Klaus ist in Indien :-)

Und wir passen alle in ein Bild.

Die Rück- bzw. Weiterfahrt war etwas aufregend. Klaus und Isolde möchten nach Goa, wir zurück nach Mumbai. Nach Goa ist es so kurz, dass ein Nachtzug nicht viel Sinn macht - gerademal 4 Stunden dauert es, und der einzige Zug auf der Strecke kommt dementsprechend auch mitten in der Nacht in Goa an. Also machen wir uns auf die Suche nach Bussen, die Straßen sind voll mit Reisebüros, die Busfahrkarten verkaufen. Wo wir schon dabei sind suchen wir auch gleich nach einem Bus nach Mumbai, denn auch unser Zug hat einen Haken: wir haben nur ein bestätigtes Ticket, müssten uns also im schlimmsten Fall eine Liege teilen - und noch den halben Tag nachdem die Beiden nach Goa losgedüst sind irgendwo in Kolhapur Zeit totschlagen.

Die Verhandlungen sind zum Ausrasten. Im Stil von
Wir: Gibt es morgen einen Bus nach Mumbai?
Er: Ja, nachts.
Wir: Gibt es tagsüber auch einen?
Er: Nein, Sir.
Wir: Gar kein Bus tagsüber, auch nicht nachmittags?
Er: Doch Sir, um 16:00.
Wir: Aha, also doch. Wann kommt der dann an?
Er: 16:00 Uhr, Sir.
Wir: Doch nicht hier, ich meine, wie lange dauert es nach Mumbai?
Er: 350km, Sir.
Wir: Und um welche Uhrzeit kommt er an?
Er: Gegen 11 Uhr abends.
Wir: Ok, wir möchten gerne buchen.
Er: Morgen gibt es aber keinen Bus, Sir. Nur nachts.
Wir: ???

So ziehen sich die Gespräche in 8 verschiedenen Büros hin - mit der Erkenntnis, dass es morgen keinen Bus nach Mumbai und auch keinen Bus nach Goa gibt. Irgendwie schon, aber irgendwie kann man ihn nicht buchen. Und ob es Tickets gibt kann man erst morgen wissen - dann, wenn wir unsere Zugtickets nicht mehr stornieren können, wenn es doch einen Bus gibt. Bis mir dann ganz nebenbei jemand erzählt, dass es auch einen Bushof von der Regierung gibt. Also da hin gelatscht - und ein noch größeres Chaos vorgefunden. Der Mann am Schalter sagt, es gibt nur 2 Busse am Tag, und leider passt uns von den Zeiten keiner. Draußen hängt ein Fahrplan, aber nur auf Hindi. Ein netter Herr versucht ihn uns zu erklären, aber in der Spalte mit den Bussen nach Mumbai steht unter jedem Bus noch ein Hinweis. Der bedeutet manchmal, dass der Bus nicht nach Mumbai fährt, sondern aus Mumbai kommt, manchmal aber auch, über welche Orte der Bus fährt, und manchmal auch, dass der Bus nur an bestimmten Tagen fährt (oder eben auch nicht), alles auf Hindi. Und die Zeiten in dem Plan decken sich nicht mit dem, was uns der Mann am offiziellen Schalter gesagt hat. Zurück im Hotel bitten wir die Rezeption, für uns herumzutelefonieren. Es gibt doch einen passenden Bus, den wir dann am nächsten Morgen nach dem Frühstück knapp verpassen. Nur um danach herauszufinden, dass alle Busse (sowohl nach Goa als auch nach Mumbai) halbstündlich fahren - und wir einfach den Nächsten nehmen.

Dieses Schmuckstück bringt uns von Kolhapur nach Mumbai - es ist bequemer, als es von außen aussieht. Sowas Ähnliches haben Klaus und Isolde nach Goa.

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