Mittwoch, 7. Juli 2010

Zurück nach Indien (bis 01.07.)

In Nepal muss man für alles viel Zeit einplanen. Weil so langsam die Regenzeit beginnt, ist die Straße immer wieder wegen Erdrutschen gesperrt. Wir planen deshalb in Pokhara einen Tag Aufenthalt ein, nur für den Fall, dass der Bus dorthin nicht durchkommt und wir ein Stück zu Fuß zurücklegen müssen.

Am 27.06. fahren wir nach dem letzten Stück Wanderung mit dem Bus zurück nach Pokhara. Bishwa hätte in Jomsom gerne seine Mails gelesen, aber es gibt wie immer keinen Strom.
Der Bus muss Flüsse durchqueren und die Fahrt ist sehr langsam und holprig. Im Prinzip legen wir einen Tagesmarsch in 2 Stunden zurück, schneller als zu Fuß gehen ist es also immer noch.
Da wir auf dem Rückweg in zwei Gästehäusern zum zweiten Mal einkehren kennt man uns. Der Wirt in Kalopani gibt uns ein Glas Sanddornsaft aus (das Zeug wächst auch hier...). Abends noch ein Spaziergang auf einen Hügel, wenn man durchs Gras läuft hat man hinterher tatsächlich inzwischen so manchen Blutegel an sich.

Abends gibt es wieder die leckeren Teigtaschen. Erinnerungen an die schönen Abende mit Minjie und Ximin kommen auf... *Seufz*
Da es so schön kühl ist will ich abends noch joggen gehen. Klappt aber nicht: Nachts wird es hier bei Neumond tatsächlich dunkel. Also so richtig dunkel. Im Sinne von: Man sieht die Hand vor Augen nicht. Das passiert in Aachen irgendwie nie, und in Mumbai sowieso nicht. Stattdessen schauen wir ein WM-Spiel: In der zweiten Halbzeit gegen England ist der Strom kurz da und der Fernseher läuft.

Der 28.06. findet komplett auf Rädern statt. Wir legen Luftlinie 50km zurück, das dauert nur 10 Stunden und erfordert zweimaliges Umsteigen. Der Jeep bleibt ein paar Mal fast stecken und ist mit 16 Personen hoffnungslos überfüllt, natürlich verkauft man hier so viele Fahrkarten, wie in das Fahrzeug irgendwie reinpassen. Bei starken Unebenheiten wird man gegen die Sitznachbarn, Wände oder die Decke katapultiert, ich habe mich noch nie so unbequem fortbewegt. Laufen ist schöner, aber leider etwas langsamer. Zudem erreichen wir auch wieder die tropische Klimazone. Das kleine geöffnete Fenster kommt bei gefühltem Schritttempo dann leider auch nicht gegen den Haufen Mensch in diesem Fahrzeug an.
Zwischendrin ist die Straße gesperrt: Es werden gerade Schlaglöcher geflickt. Das geht bei einer Schotterstraße ganz einfach: Ein Bagger schüttet Geröll hinein und fährt ein paar Mal drüber. Dann kann es weiter gehen; die geflickten Stellen werden schon nach den ersten drei Fahrzeugen wieder matschig und löchrig, am Abend ist hier bestimmt wieder ein Schlagloch.

In Beni können wir endlich in den Bus umsteigen. Das ist viel bequemer, außer der Beinfreiheit gibt es kaum etwas zu beanstanden. Als ein kurzer Regenschauer runtergeht steigen die Fahrgäste vom Dach wieder ein, es wird dann zwar etwas enger, aber geht auch noch. Die Sitze auf dem Dach sind sehr beliebt, denn hier gibt es Frischluft. Hat also nicht unbedingt etwas mit Überfüllung zu tun, genau wie das Mitfahren außen am Zug in Indien. Ein bisschen gefährlich ist es halt...

Abends dreht sich das Bett und schwankt wie ein Schiff in der See. Wir sind von der Fahrt gerädert.

Den 29.06. können wir in Pokhara verbringen. Die Reserve haben wir nicht gebraucht, wir sind ja schließlich durchgekommen. Wir überqueren den See mit einem Boot und besteigen einen Hügel; von hier aus hat man die gleiche Aussicht auf Pokhara und die dahinter liegenden Berge wie auf vielen Postkarten. Zumindest wenn die Berge nicht durch Wolken verdeckt werden. Wir haben Pech. Dafür treffen wir auf dem Hügel eine Australierin, deren Großeltern in Heidelberg wohnen. Nett.

Weiterhin sehenswert in Pokhara ist einer der Flüsse. Der Boden ist hier so beschaffen, dass sich das Wasser sehr tief eingraben kann. Dieses unschuldig aussehende Gewässer hier...

Verschwindet wenige Meter später in einem Loch im Boden. Es geht etwa 20m senkrecht in einem Wasserfall nach unten, ein Teil der Höhle ist begehbar. Hier habe ich gar nicht erst versucht zu fotografieren, das macht meine Handykamera nicht. Warten wir auf Arnes Bilder.

In der Höhle verschwindet der Fluss dann schließlich blubbernd und gurgelnd in einem Loch und fließt dann etwa 1km lang durch einen luftlosen Kanal. Wer beim Baden im Fluss den Wasserfall überlebt, ist also spätestens hier erledigt. Tatsächlich gab es schon einige Unfälle hier, in den Fluss fallen ist sehr ungesund. Ich habe selten einen natürlichen derart tödlichen Ort gesehen.

Das Gewusel auf den Straßen in Pohara ist fast wie in Indien.

Zuletzt führt Bishwa uns zum Ropain Festival. Die Bauern feiern hier den Beginn der Regenzeit: Ein paar Ochsenpflüge düsen auf dem Reisfeld hin und her, die Jugendlichen machen eine Schlammschlacht.

Die Besucher kommen außer uns allesamt aus Pokhara und haben Regenschirme dabei. Nicht etwa gegen die Sonne, wie wir zunächst denken, sondern gegen die heranfliegenden Schlammbatzen, mit denen die Besucher beworfen werden. Wie gut, dass ich heute meine letzte saubere Hose anhabe.

Abends lädt Bishwa uns zu sich nach Hause für ein Abschiedsessen ein. Bishwa lebt sehr einfach mit seiner Frau Bidhya und seinen Kindern, die Fläche entspricht etwa meiner Bude in Aachen. Zwei Betten, die kleineren Kinder schlafen wohl auf dem Boden. Eine Küchenecke, in der die Frau zaubert. Der Strom ist gerade ausgefallen, also ist alles etwas dunkel und der Ventilator geht auch nicht. Natürlich gibt es Dal Bhat. So lecker hat es bisher allerdings nirgendwo geschmeckt: Sogar Hühnchen gibt es, Bishwa hat extra eines seiner Hühner geschlachtet. Das Tier ist noch nichtmal 3 Stunden tot, so frisches Huhn hatte ich noch nie. Lecker gewürzt.

Sogar eine Tasche, von seiner Frau handgemacht, bekommen wir als Abschiedsgeschenk.

Unterzeichnet B+B, Bishwa und Bidhya.

Der 30.06. steht ganz im Zeichen der Busfahrt nach Kathmandu. Diesmal fahren wir mit dem Touristenbus. Der kostet genauso viel, ist aber Touristen vorbehalten und der Fahrer hat einen Führerschein. Tatsächlich geht es sehr viel bedächtiger und kontinuierlicher vorwärts, die Gefahr für Leib und Leben hält sich in Grenzen. Durch einen langen Stau müssen wir aber doch zwei Stunden warten und kommen wieder einmal erst nach 8 Stunden an.

Abends schauen wir uns noch das Touristenviertel von Kathmandu an. Viele enge Gässchen voller Leute, kaum motorisierter Verkehr. Das nepalesische Bier wollen wir uns nicht entgehen lassen und probieren Everest Beer und Nepal Ice. Beides durchaus brauchbar.

Am nächsten Morgen sind die Gassen wie ausgestorben. Wir geben die letzten nepalesischen Rupien für Postkarten, Briefmarken, Snacks und Getränke aus und düsen mit dem Taxi zum Airport. Stempel in den Pass und raus.

Dienstag, 6. Juli 2010

Vermischtes von der Wanderung

Unterwegs treffen wir so einige Leute. Man merkt, dass die Gegend sehr touristisch ist und kaum etwas unberührt geblieben ist. Neben den besagten Speisekarten, auf denen Macaroni & Cheese häufiger anzutreffen ist als jedes nepalesische Gericht, hat sich auch bei den meisten Leuten viel geändert. Fast jeder lebt hier von Tourismus, und anscheinend sind viele Touristen auch weich genug, den Kindern Süßigkeiten zu schenken.
Mit dem Ergebnis, dass viele Kinder Touristen inzwischen nach Süßigkeiten oder sogar nach Geld anbetteln und dabei richtig penetrant werden oder beleidigt und wütend werden, wenn sie nichts bekommen. Nicht schön. Die Gegend um die Annapurna ist das Touristenziel in Nepal schlechthin, die meisten Gäste kommen vor allem wegen der schönen Natur (so wie wir auch); um Nepali in ihrer traditionellen Umgebung kennen zu lernen ist das der falsche Anlaufpunkt.

Umso schöner, wenn man doch noch Ausnahmen trifft, Menschen die einfach nur nett winken und grüßen oder versuchen, sich mit einem zu unterhalten. Auch die Schulkinder, die uns morgens auf ihrem Weg überholen, grüßen eigentlich immer nett. Das sind die glücklicheren Kinder. Schulpflicht gibt es in Nepal zwar, anscheinend wird sie aber nicht von der Polizei erzwungen; oft genug wird unser Vormittags- oder Mittagessen von einem Kind serviert, welches eigentlich in der Schule sein müsste. Ärmere Familien können oder wollen auf diese Arbeitskräfte anscheinend nicht verzichten.

Für viele Inder und Nepali ist die Region um die Annapurna außerdem ein religiöses Pilgerziel. So mancher Pilger begegnet uns, sogar von denen werden wir oft um Geld gebeten. Reichere Pilger lassen sich gerne per Jeep oder gar per Helikopter direkt vor den Tempeln absetzen, auch das sehen wir gelegentlich.

Wandern (20.06. - 27.06.)

Nepal ist ein sehr vielfältiges Wanderland. Innerhalb von einem Tagesmarsch wechselt das Klima schonmal von tropisch mit Bananenstauden und Kokospalmen bis hin zu herbstlich-österreichisch mit Nadelbäumen.

Dal Bhat gibt es bei uns jetzt jeden Tag. Die Zusammenstellung variiert, wir sehen mehrmals, wie unser Gemüse direkt nach der Bestellung vom Feld gerupft wird. Bishwa sucht zumeist sehr gute Gästehäuser aus, wenn es abends regnet sitzen wir manchmal am warmen Ofen mit der Besitzerin zusammen. Uns kommen manchmal andere Touristen entgegen, oftmals mit einer Schar von Trägern für das Gepäck. Es gibt sogar Leute, die mit Koffern wandern gehen (und die Koffer natürlich nicht selbst tragen).

Ein paar Eindrücke vom Weg:

20.06.

Reisfelder und ein paar Hotels: Blick aus dem Hotelzimmer am Morgen.

Gar nicht mal unbequem.

Die Brücken sind alle relativ neu und gut ausgebaut.

Der Weg ist technisch nie ein Problem, allerdings sind 2000 Höhenmeter an einem Tag durchaus drin. Endlich mal wieder Sport.

Rhododendronwald.

Nepal hat ein anderes Verhältnis zu Alkohol als Indien: Hier darf geworben und überall verkauft werden, es gibt mehrere lokale Biersorten. Playboy (gleicher Schriftzug) ist hier eine Whiskymarke. Für Yakkäse ist leider nicht die richtige Saison.

Abends ist es schon fast kalt, das Wetter wie im Herbst in Norddeutschland.

21.06.

Grüne Hügel wohin man blickt. Hügel heißt hier alles, was manchmal noch grün ist, also durchaus auch Erhebungen über 5000m. Ein Berg muss ganzjährig mit Schnee bedeckt sein.

Der Ausblick vom Poon Hill ist bekannt. Wir sind zum Sonnenaufgang da, die Wolken leider auch. Tatsächlich treffen wir oben noch ein paar andere Touristen, die alle enttäuscht wieder abziehen.

Wir nicht, und wir werden belohnt: Die Sicht klart auf. Dhaulagiri-Massiv...

...und Annapurna-Massiv. Beides höher als 8000m.

Beim Packen haben wir sogar aus dem Hotelzimmer diesen Ausblick.

Abstieg ins tiefste Tal der Welt: Stellenweise geht es auf beiden Seiten auf über 8000m hoch, der Fluss fließt auf weniger als 1800m Höhe.

Unten ist es warm und es gibt wieder Reisfelder und Bananenstauden. Es geht ein Stück entlang der Straße.

22.06.

Auch ein Nepalese macht mal Pause. Bishwa musste als Kind morgens 2 Stunden zur Schule laufen, das ist hier relativ normal. Wir sehen morgens immer viele Schulkinder in Uniformen mit Schulranzen auf den Wegen, die Schule fängt hier morgens erst um 10 Uhr an, um den Kindern die Anreise zu ermöglichen.

Nepal ist das Land der Allradbusse und Kleinflugzeuge. Die Geografie macht es nicht einfach, sich hier fortzubewegen.

23.06.

Arne vor der Annapurna.

Sonnenaufgang über dem Dhaulagiri. Heute Nacht hatten wir das bisher netteste Hotel und den besten Ausblick am Morgen. Zum Frühstück haben wir jeden Tag genau wie Bishwa Milchtee sowie Tibetan Bread mit Honig.

Das Flussbett ist weit und der Fluss fließt wie er will.

Die Klimazone wechselt schon wieder beim Wandern.

Abends sind wir fast in der Wüste. Im Reis finden wir Fliegen, aber das ist inzwischen kein Schocker mehr. Richtig toll ist das Hotel hier trotzdem nicht, am nächsten Morgen gehts schnell weiter.

24.06.

Bishwa in der Wüste.

Wir kommen näher an Tibet. Hier isst man schon traditionell die leckeren chinesischen Teigtaschen. Mjam.

An den Gebetsmühlen auf den Straßen geht man links vorbei und dreht sie mit der sauberen (rechten) Hand.

25.06.

Woraus baut man Gebetsmühlen, wenn man kein Geld hat? Genau, aus Konservendosen.

Es geht hoch in ein Seitental.

Hier ist Landwirtschaft auf einmal wieder möglich, denn der Wind, der durch das Haupttal pfeift, kommt hier nicht mehr hin. Getreidefelder, wie zu Hause.

In einigen Orten gibt es sogar sauberes Trinkwasser zu kaufen. Entwicklungshilfe aus Neuseeland. Zwei Australier, die wir treffen, beschreiben das ganze so: Alles was in Nepal wertvoll ist wurde von außerhalb gespendet. Und wenn man in einer Schule den Ventilator an der Decke anhält wird man bestimmt auch darauf noch den Aufkleber einer Spendenorganisation finden.

Abends geht es noch ohne Gepäck spazieren, wir knacken die 4000m! Das Beweisfoto kennt ihr ja schon.

26.06.

Die schöne Natur haben sie aber noch selbst.

Und die netten Leute auch.

27.06.

Es ist Zeit, sich wieder Richtung Kathmandu aufzumachen: In 4 Tagen geht unser Flug. Der Bus muss ein paar Flüsse queren. Wer braucht schon Brücken? Es steht eine mehrtägige Odyssee an, denn so schnell kommt man hier nicht voran.

Beginn der Wandertour (19.06.)

Morgens holt uns Bishwa am Hotel ab, wir ziehen ohne Gepäck zunächst zu einem Büro, in dem wir Geld für unsere Trekking Permits lassen müssen. Und natürlich auch 2 Passfotos pro Person. Die vielen Behördengänge, die jetzt anstehen (Nepal ist tatsächlich genauso bürokratisch wie Indien) bleiben uns aber erspart, denn wir haben ja Bishwa. Der kümmert sich jetzt um alles, während wir in Ruhe frühstücken (indisches Naan) und eine kleine Fototour am Seeufer machen.

Sowas ähnliches kennt ihr ja schon. Der Phewa Lake in Pokhara ist ganz hübsch.

Auf der Rückseite des Dammes auf dem wir stehen sind Reisfelder.

Pokhara ist zur Hauptsaison (zum Glück nicht jetzt) von Touristen überlaufen. Anscheinend essen viele westliche Nepal-Urlauber auch im Ausland gerne Vertrautes, wir sehen viele deutsche Bäckereien, man bekommt in allen Restaurants auch Spaghetti, Wiener Schnitzel und schweizer Rösti.

Der Ausblick aus unserem Hotelfenster. Hinter dem grünen Hügel am Ende des linkesten Drittels sieht man hinten auch einen hohen Berg. Leider schwächelt hier meine Handykamera.

Der Bushof von Pokhara. Hier geht es mit Bishwa und den neuen Papieren raus in die Natur.

Die Busfahrt ist malerisch. Der Fahrer dieses zuckeligen Linienbusses ist sehr viel gemütlicher unterwegs und scheint sein Handwerk besser zu verstehen. Der Bus ist voll bis aufs Dach, wir halten auf Zuruf an, wann immer jemand rein oder raus will. Wir nehmen auch einen Bauer mit seiner Ziege mit.

In diesem Örtchen beginnt die Wanderung.

Es geht durch Reisfelder los. Alle paar Kilometer gibt es Läden, die Kekse und Wasser verkaufen. Die Leute sind wahnsinnig freundlich, viele Kinder schmettern uns laut und strahlend Begrüßungen entgegen.

Der Weg ist sehr gut ausgebaut, ich vermisse meine Wanderschuhe nicht. Außerdem wird in diesem Tal zur Zeit eine Straße gebaut (wir sehen keine Arbeiten, aber Teile einer Schotterpiste). Im Gespräch mit unserem Führer erfahren wir, dass der Straßenbau durchaus umstritten ist. Einerseits verlieren viele Hotels Kunden, die dann in diesem Tal nicht mehr wandern, sondern mit dem Bus an den Dörfern vorbeifahren. Andererseits wollen die Bauern ihre Waren endlich per Lastwagen in die Stadt bringen können (bisher läuft das hier mit Maultieren) und Krankentransporte sind auf einer Straße auch einfacher.

Abends fängt es an zu regnen, wir erreichen rechtzeitig noch ein Dorf. In der Saison sind die 5 Gästehäuser hier komplett ausgebucht, zur Zeit sind wir die einzigen Gäste im ganzen Ort. Die Speisekarte besteht in allen Hotels am Weg nur aus Nudeln, Tacos, Burgern, Pizza, Schnitzel... nepalesische Küche will der Tourist wohl nicht haben. Wir bitten Bishwa, für uns das Gleiche wie für sich selbst zu bestellen. Also essen wir Dal Bhat: ein großer Teller mit Reis, Kartoffelcurry, Spinat und einer Linsensuppe. Das Mädchen das uns bedient holt vom Holzfeuer immer wieder den Topf und füllt lachend mit einer großen Gusseisenkelle nach, bis alle satt sind.

Das Doppelzimmer kostet umgerechnet genau 1€, das All-You-Can-Eat Dal Bhat etwa 2,50€ pro Person. Am teuersten läppert sich hier das Wasser zusammen: Leitungswasser rühren wir natürlich nicht an, also brauchen wir Flaschen. Und weil die irgendjemand hier hochschleppen muss, kostet der Spaß auch zwischen 60 Cent und 1€ pro Flasche. Wir verbrauchen wandernd etwa 6-8 Liter am Tag, da kommt schon was zusammen.

Fahrt nach Pokhara (18.06.)

Mit leichtem Wandergepäck geht es nachts um 4 mit der Rikscha los zum Flughafen in Mumbai. Einer von den Indern auf dem Korridor rät uns noch davon ab, mit einer vorbestellten Rikscha zu fahren, der Fahrer wolle uns bestimmt entführen. Wir fahren trotzdem und kommen gut am Flughafen an.
JetAirways ist eine indische Fluggesellschaft, irgendwie ist aber von den Stewardessen an Bord keine einzige aus Indien. Es gibt unter anderem Omelett, die Stewardess sagt uns mit einem Augenzwinkern, "the other options might be too risky". Nagut.
Schon aus dem Flieger sieht man zwischen den Wolken sehr hohe schneebedeckte Gipfel herausragen. Vom Flugzeug ins Terminal bekommen wir die angenehme Sommerluft Kathmandus zu schnuppern; das Klima ist fast wie in Deutschland. Das Terminal hat den Charme vom Norddeicher Flughafen: Ein kleines einstöckiges Backsteingebäude im Grünen. Einreise ohne Probleme, zum Glück haben wir vorsichtshalber Passfotos mitgenommen, ohne die gibts kein Visum. Das Visum wird in Euro bezahlt, Wechselgeld gibt es als wildes Gemisch aus nepalesischen Rupien und US-Dollar. Zusammen mit den mitgebrachten indischen Rupien sind jetzt 4 verschiedene Währungen in meinem Geldbeutel, nervig.
Auf dem Weg zum Geldautomaten am Flughafen hängt eine Traube von Taxifahrern an uns und bewirft uns mit Zielen und Preisen. Wir lassen uns zum Bushof fahren, von hier soll es weitergehen nach Pokhara, der zweitgrößten Stadt des Landes. Die 200km dauern planmäßig etwa 6 Stunden, das Ticket für 2 Plätze in einem Kleinbus kostet umgerechnet 9€.

Blick aus dem Busfenster direkt am Bushof. Genau wie in Indien hat man auch in Nepal diesen besonderen Sinn für ästhetische Innenstadtgestaltung...
Während wir auf unsere Abfahrt warten versucht eine alte Frau mit einem Kind in Arm, durch das geöffnete Fenster hindurch Geld von uns zu erbetteln.

Der Kleinbus fährt nicht direkt zum Stadtausgang, sondern nimmt noch in allerlei Gässchen irgendwelche Fracht aufs Dach. Aus den Lautsprechern wummert Technoschranz in Discolautstärke. Ein Daddy-Cool-Remix vermischt mit nepalesischem Hip-Hop ist auch dabei.

Die Fahrt ist mehr als abenteuerlich. Die Straße ist meist entlang eines Flusses an einem Hang gebaut. Rechts geht es mehr oder weniger tief runter, links ist die Böschung nach oben. Unser Fahrer fährt wie ein Geisteskranker, wir überholen alles und jeden; auch wenn der Gegenverkehr bereits in Sicht ist und für uns bremsen muss. Hier hat wohl immer der Mutigste Vorfahrt...

Nepal ist kein reiches Land. Die Hauptstraße von der Landeshauptstadt hin zur zweitgrößten Stadt des Landes stellt man sich bei uns anders vor.

Wir sehen zahlreiche Unfallreste, zermatschte Autos und Lastwagen, und auch ein paar Fahrzeuge, die gerade nicht über die Böschung gefallen sind. Die Dunkelziffer ist sehr hoch: Ein Fahrzeug, welches tatsächlich gefallen ist, hätten wir ja gar nicht mehr gesehen, Hier passiert jeden Tag unglaublich viel Mist.

Tankwagen an der Klippe...

Bus an der Klippe...

Und das sind nur die zwei, bei denen ich schnell genug die Kamera zur Hand hatte. Ein paar Verletzte auf der Ladefläche eines Pick-Ups haben wir auch gesehen.

Wenn dann der eigene Fahrer noch fährt wie eine besengte Sau, fühlt man sich gleich viel sicherer.

Irgendwann haben wir eine Reifenpanne. Das scheint hier öfter zu passieren, der Ersatzreifen ist in wenigen Minuten montiert und es geht weiter, allerdings nur bis zur Reifenwerkstatt. Hier wird unser Primärreifen geflickt und wieder montiert, der Ersatzreifen wandert wieder an seinen Platz unter dem Kofferraum.

Unterwegs halten wir außerdem noch an allen möglichen Shops, überall wird uns Essen und Trinken angeboten, keiner kauft. Es drängt sich der Verdacht auf, dass der Fahrer von allen Läden Geld fürs Anhalten bekommt. Die Fahrt dauert letztendlich 8 Stunden (für 200km!); Wer dauernd anhält kann den Schnitt auch durch zu schnelles Fahren nicht mehr retten.

In Pokhara erwartet uns eine Traube von Tourguides, Hoteliers und Taxifahrern, die uns ihre Dienste anbieten. Nach kurzem Suchen finden wir auch unseren Guide Bishwa Hang Rai, der uns die nächsten Tage durch Nepal führen wird. Es geht für eine Lagebesprechung und die weitere Planung ins Hotel. Wir einigen uns darauf, den Trek durch das Jomsom-Tal zu machen, da dort die Aussichten auf die Berge ganz gut wären und andere Touren zur beginnenden Regenzeit durch Blutegel etwas nervig würden.

Im Hotel haben wir die erste Dusche seit wir Weinheim verlassen haben. Großer Luxus. Dafür geht die Klospülung nicht. Abendessen in einem seltsamen Restaurant nebenan, eine Tanzgruppe spielt Musik und macht lustige Bewegungen dazu, außer einem verliebten Paar ein paar Tische weiter sind wir die einzigen Gäste. In der Nacht schlafen wir zum ersten Mal auch ohne Ventilator angenehm, es wird draußen halbwegs kühl.